Inklusionsdidaktische Lehrbausteine
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Phase 1: Einführung

Wie lief die Einführungsphase konkret ab?

Über die drei Semester hinweg wurden während der Einführungsphase verschiedene Bausteine erprobt und unterschiedlich miteinander kombiniert. Nachfolgend werden ausgewählte Bausteine exemplarisch vorgestellt. Die roten Bausteine waren dabei in jedem Semester fester Bestandteil des Seminars.

  • Baustein 1 - Persönlicher Zugang zum Thema Inklusion: Die Studierenden bekamen die Aufgabe, sich selbst mithilfe von Pfeilen auf einer Skala, die nach der eigenen praktischen Erfahrung und nach dem eigenen Wissen in Bezug auf Inklusion fragte, zu verorten. Die Dozentinnen und Dozenten gaben dabei nicht vor, was unter dem Begriff „Inklusion“ zu verstehen ist. Auf diese Weise kam auf der Seite der Studierenden immer schnell die Frage auf, was die Dozentinnen und Dozenten mit Inklusion genau meinen würden. Diese Frage wurde dann gemeinsam im Seminarplenum, häufig in Kombination mit Baustein 2, diskutiert. Zudem stellten die Dozentinnen und Dozenten Rückfragen zu den einzelnen Pfeilen. Die Studierenden begründeten daraufhin, warum sie sich wie verortet hatten. Im gemeinsamen Gespräch hat sich zumeist gezeigt, dass die Studierenden über viel mehr Erfahrung mit Inklusion verfügten, als sie zunächst gedacht hatten.

    einfuehrung
    Beispiel für eine Skala aus einem der Seminare
  • Baustein 2 - Auseinandersetzung mit dem Begriff „Inklusion“: Die Studierenden erhielten den Satzanfang „Inklusion heißt für mich…“. Ihre Aufgabe bestand darin, den Satz für sich zu vervollständigen. Ziel war es, die bislang vorhandenen Konzepte von Inklusion auf Seiten der Studierenden zu erheben. Im Anschluss tauschten sich die Studierenden zunächst in Murmelgruppen und dann im gesamten Plenum über ihre unterschiedlichen Definitionsversuche aus. Die Dozentinnen und Dozenten brachten zudem Definitionen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen in die Diskussion mit ein. Im Zentrum standen dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Definitionsversuche.
  • Baustein 3: Einführung in die Methode „Inselspiel“: Die Studierenden erhielten zunächst in Form einer PowerPoint-Präsentation eine kurze theoretische Einführung in die Methode Inselspiel. Wichtige Inhalte waren dabei unter anderem: das Inselspiel als Makromethode, das Inselspiel als Simulation, das Inselspiel und der Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler, das Inselspiel als inklusionssensibles Lernarrangement. Zudem erhielten die Studierenden einen kurzen Überblick über die noch sehr junge Teildisziplin der Inklusiven Politischen Bildung. Grundlage hierfür war vor allem die „Didaktik der inklusiven politischen Bildung“ (Dönges/ Hilpert/ Zurstrassen 2015).
  • Baustein 4 – Materialtheke: Die Dozentinnen und Dozenten haben für die Studierenden im Seminarraum mithilfe von Tischen eine Materialtheke aufgebaut. Die Theke umfasste einerseits eine Auswahl an bereits frei verfügbaren Materialien für den Politikunterricht in heterogenen Klassen. Darüber hinaus haben die Dozentinnen und Dozenten Materialien zur Verfügung gestellt, die sie selbst für den Unterricht konzipiert hatten. Die Materialien wurden zunächst kurz vorgestellt, bevor die Studierenden diese dann selbst begutachten und erproben konnten. Viele der Materialien zielten dabei auf das Lernen mit unterschiedlichen Sinnen ab. Die Materialtheke wurde immer in Kombination mit Baustein 4 umgesetzt.
  • Baustein 5 - Ohrstöpsel-Diktat: Ziel des Ohrstöpsel-Diktats ist es, eine vorübergehende, leichtgradige Schallleitungsschwerhörigkeit zu simulieren (sonderpädagogischer Förderschwerpunkt: Hören). Dazu werden die Studierenden zunächst mithilfe von Ohrstöpseln vertäubt. Im Anschluss erhalten sie die Aufgabe, ein Diktat zu schreiben. Die Dozentin/ der Dozent liest das Diktat satzweise den Studierenden vor. Je nach Satz variiert die Lehrersprach - sprich es werden ungünstige (z.B. Störlärm) und günstige (z.B. klares, langsames Sprechen von Angesicht zu Angesicht) Bedingungen für das Hören simuliert. Im Anschluss an die Übung wird mit den Studierenden ausführlich reflektiert, wie es ihnen bei der Übung ergangen ist. Ziel ist es, sie für die Bedarfe von Schülerinnen und Schülern mit einer Hörbeeinträchtigung zu sensibilisieren und erste Maßnahmen für die Unterrichtspraxis daraus abzuleiten. Eine ausführliche Beschreibung des Ohrstöpsel-Diktats finden Sie in folgender PDF-Datei.
  • Baustein 6 – Hospitationen: Im Rahmen des Seminars hatten die Studierenden die Möglichkeit, in unterschiedlichen Schulen, die sich selbst der Inklusion verschrieben haben, zu hospitieren und mit den Beteiligten vor Ort ins Gespräch zu kommen. Für die Hospitation haben die Studierenden konkrete Beobachtungsaufträge erhalten. Ein Auftrag bestand beispielsweise darin, eine Schülerin/ einen Schüler für 30 Minuten genau zu beobachten und zu dokumentieren, inwiefern diese/ dieser am Unterricht teilgenommen hat. Zu diesem Zweck haben die Studierenden ein Beobachtungsschema mit an die Hand bekommen. In der anschließenden Seminarsitzung konnten sich die Studierenden dann über ihre Beobachtungen austauschen. Bei den Hospitationen haben die Studierenden zudem die Klasse kennengelernt, in der sie später ein Inselspiel selbst durchgeführt haben (Phase 3: Konzeption, Phase 4: Durchführung). Wichtig war es, die Hospitationen frühzeitig anzukündigen (bereits bei der Seminarausschreibung im Vorlesungsverzeichnis) und mit allen Beteiligten rechtzeitig zu organisieren.
  • Baustein 7 – Austausch mit externen Gästen im Seminar: Das Seminar verfolgte bei jedem Durchgang das Ziel, die Räume der Universität mithilfe von Kooperationen nach außen hin zu öffnen. Die Dozentinnen und Dozenten haben deshalb immer wieder unterschiedliche Gäste in das Seminar eingeladen, die von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Thema Inklusion berichtet haben: unter anderem junge Erwachsene mit einer Behinderung, Eltern von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, Expertinnen und Experten für das Thema Hochbegabung und Autismus. Die Besuche waren stets eine Kombination aus Bericht/ Vortrag, Fragerunde und Diskussion. Für die Gäste hat es sich als hilfreich erwiesen, wenn sie als Vorbereitung auf das Seminar vorab die Fragen der Studierenden erhalten haben. So konnten sie ihren Input an die Bedürfnisse der Studierenden anpassen.

Welche Materialien der Plattform könnten in dieser Phase eingesetzt werden?

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