Inklusionsdidaktische Lehrbausteine
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Variationsreich

0 Die Räume werden im Vorfeld passend zum Inselszenario dekoriert. Die Schülerinnen und Schüler steuern Dekoration für das Inselspiel bei, indem sie in den vorausgehenden Tagen Palmen und Lianen basteln. Insgesamt stehen mehrere Räume zur Verfügung: in einem Raum wird die Insel aufgebaut, in einem weiteren das Schiff. Darüber hinaus gibt es Ausweichräume für die Gruppenarbeit. Die Studierenden schlüpfen mithilfe von Requisiten in ihre Rollen als Reiseleitung.
2 Die Studierenden informieren die Schülerinnen und Schüler darüber, dass sie heute gemeinsam mit dem Partyschiff nach Mallorca reisen werden. Zu diesem Zweck bekommen die Schülerinnen und Schüler jeweils ein personalisiertes Reiseticket. Die Studierenden treten als Reiseleiterin bzw. Reiseleiter auf. Die Reisetickets werden in drei unterschiedlichen Farben ausgegeben. Sie haben während des Inselspiels eine doppelte Funktion: zum einen finden die Schülerinnen und Schüler dadurch ihren Platz an Bord des Schiffs, zum anderen werden sie mithilfe der Farben später in drei Gruppen eingeteilt.
4_1 Die Reisegruppe geht zusammen an Bord und alle Passagiere nehmen mithilfe der Reisetickets ihre Plätze ein. Alle Passagiere erhalten eine Hawaii-Kette als Einstimmung auf die Reise. Die Kette dient unter anderem dazu, dass die Schülerinnen und Schüler sich besser in das Spiel einfinden können.
4_2 Der Kapitän verliert während des Sturms die Orientierung. Er kann den Anker allerdings an einem verlassenen Strand setzen, um dem Sturm zu entkommen.

Die Studierenden evakuieren das Schiff. Mithilfe der farbigen Reisetickets wird die Reisegruppe dazu in drei Kleingruppen eingeteilt. Jeder Kleingruppe wird eine eigene Reiseleitung, sprich eine erwachsene Person zugeteilt. Die Kleingruppen treffen sich in jeweils einer bestimmten Ecke des Schiffs.
6 Die Kleingruppen erreichen ein verlassenes Dorf. Auf Anweisung der Reiseleitung bezieht jede Kleingruppe eine eigene Hütte. Die Hütten bestehen dabei aus Filzdecken und Kissen in einer bestimmten Farbe. Die Farben der Hütten decken sich mit den Farben der Reisetickets.

Nach dem Bezug der Hütten stellen die Studierenden das restliche Dorf vor. Vor allem der Marktplatz als gemeinsamer Sammelplatz in der Mitte ist dabei wichtig. Hier findet der gemeinsame Austausch statt.
8 Die Reisegruppe sucht erneut gemeinsam nach der Kiste. Inhalt der Kiste sind drei Notfallpläne. Jede Hütte hat einen eigenen Notfallplan, der eine andere Antwort auf die Frage „Wie treffen wir in Zukunft auf der Insel Entscheidungen?“ beinhaltet. Jeder Notfallplan greift dabei auf eine andere politische Ordnung zurück: Demokratie, Diktatur und Monarchie. Die Kiste enthält für jede Schülerin und für jeden Schüler eine Kopie des hüttenspezifischen Notfallplans. Die Kopien weisen dabei dieselben Farben wie Reiseticket und Hütte auf.
10 Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es, die anderen Gruppen von ihrem Notfallplan zu überzeugen, um bei der anstehenden Abstimmung über das zukünftige Zusammenleben auf der Insel ihre Stimmen zu gewinnen. Zu diesem Zweck sollen die Schülerinnen und Schüler eine kreative Präsentation erarbeiten, in der sie unter anderem erklären, wie sie zukünftig Entscheidungen auf der Insel treffen möchten. Die Gruppen haben bei der Gestaltung der Präsentation freie Hand. Der Notfallplan enthält jedoch unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten als Anregung, z.B. Werbespruch, Werbeplakat, Werbefilm.
12 Als nächsten Schritt bereiten die Schülerinnen und Schüler ihre Präsentationen vor. Sie erstellen dazu in ihrer Gruppe Werbeplakate mit entsprechenden Werbesprüchen wie „Einer für alle, alle für einen!“ oder „Die Krone an die Macht, dann gibt es keine Schlacht!“.
14 Die Gruppen zeigen ihre fertigen Werbefilme und ergänzen diese um einen kurzen Vortrag als zusätzliche Erklärung. Im Anschluss arbeiten die Studierenden mit den Schülerinnen und Schüler im Gespräch die Unterschiede zwischen den einzelnen Vorschlägen zur Entscheidungsfindung nochmal heraus. Diese Zusammenfassung ist eine wichtige Voraussetzung für die anschließende Abstimmung, da dabei unter anderem Verständnisprobleme aufgedeckt und geklärt werden können. Es ist sinnvoll, die Zusammenfassung z.B. in Form eines Tafelbilds zu visualisieren.
16 Die Stimmzettel werden eingesammelt und anschließend ausgezählt.
18 Ein Schüler wurde von der Monarchie-Gruppe vorab als König bestimmt und bei der Präsentation als potentieller Regent vorgestellt. Durch den Sieg seiner Gruppe bei der Abstimmung wird er nun offiziell als König ernannt und damit als Herrscher über die Insel. Als Herrschaftszeichen erhält er eine rote Schärpe aus Samt.
20 Alle verfügbaren Lebensmittel, hier symbolisch durch Süßigkeiten verkörpert, finden die Schülerinnen und Schüler in einer Versorgungskiste. Aufgabe des amtierenden Königs ist es, alleine zu entscheiden, wie die Lebensmittel unter allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Insel verteilt werden. Der König muss dabei unterschiedliche Fragen für sich beantworten, z.B.: Welchen Anteil erhält er als Herrscher? Welchen Anteil erhalten seine Unterstützerinnen und Unterstützer? Welchen Anteil bekommt der Rest? Nach welchem Prinzip, z.B. Leistungsprinzip, verteilt er die Lebensmittel?
22 Das Funkgerät des Kapitäns gibt unerwartet wieder Geräusche von sich. Die Gruppe kann einen Funkspruch vom Festland entgegennehmen, der die bevorstehende Rettung von der Insel verkündet. Die gesamte Gruppe macht sich auf den Rückweg zum Strand, sprich zum anderen Klassenzimmer und steigt dort in das Rettungsboot ein.
24 Nach der Simulation kommt die gesamte Gruppe in einem Kreis zusammen. Unter Leitung der Studierenden wird gemeinsam das erlebte Inselspiel nachreflektiert. Dabei werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt, u.a. persönliche Erfahrungen der Hauptakteurinnen und Hauptakteure (z.B. König), Verlauf der Simulation (z.B. Bewertung der Entscheidungsfindung als zufriedenstellend, als gerecht), Übertragung auf die politische Wirklichkeit (z.B. Vergleich der Entscheidungsfindung im Spiel und in der politischen Wirklichkeit), Methodenreflexion (z.B. Lob, Kritik, Verbesserungsmöglichkeiten).

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie Lehrerinnen und Lehrer das Inselspiel im Politikunterricht konkret umsetzen können. In Form der Fotogeschichte wird ein exemplarisches Inselspiel vorgestellt, das federführend von zwei Studierenden im Rahmen des Projektseminars in einer 7. Klasse an einer bayerischen Mittelschule mit dem Schulprofil Inklusion an einem Schulvormittag durchgeführt wurde. Im Vorfeld haben neun Förder- und Regelschulstudierende, unterstützt durch die Dozentinnen und Dozenten sowie den Klassenlehrer, das Inselspiel speziell für diese Klasse gemeinsam geplant und arbeitsteilig vorbereitet.