Inklusionsdidaktische Lehrbausteine
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Hilfs-Ich-Geschichten

In einer Schulklasse herrschen bestimmte Vereinbarungen und Konventionen, z.B. sich melden, zuhören, Klassendienste ausüben, Hausarbeiten anfertigen. Mit diesen müssen sich sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte immer wieder auseinandersetzen. Hilfs-Ich-Geschichten thematisieren exemplarisch einen möglichen Umgang mit Herausforderungen, die mit solchen Vereinbarungen und Konventionen verbunden sein können. Sie beschreiben die Innensicht einer handelnden Person in einer Geschichte (vgl. inneres Team). Für die Beschreibung der Innensicht können aktuelle Herausforderungen einer Schülerin/ eines Schülers oder mehrerer Schülerinnen und Schüler aus dem Schulalltag von der Lehrkraft ausgewählt und in einer Geschichte aufgegriffen werden: z.B. keine Lust auf Hausaufgaben oder aggressives Verhalten gegenüber Dritten. Über die Geschichte können alle Schülerinnen und Schüler dann beispielsweise einen Einblick in die widerstreitenden Gefühle einer Person bekommen, die keine Lust auf Hausaufgaben hat.
Die Hilfs-Ich-Geschichte versucht, innere Bedürfnisse (z.B. Ich will lieber spielen als Hausaufgaben machen.), Gefühle (z.B. Ich bin sauer auf die Lehrkraft, weil sie mir Hausaufgaben aufträgt.) und Anforderungen (z.B. Mama verlangt von mir in der nächsten Schularbeit eine gute Note.) aufzugreifen und dabei einen Weg zu vermitteln, wie man damit umgehen kann (z.B. Ich schaue mir an, wie viel Hausaufgaben wir wirklich aufbekommen haben. Ich erledige meine Hausaufgaben zügig und zeige sie meiner Mama, bevor ich zum Spielen nach draußen gehe.). Es soll deutlich werden, dass jeder Mensch solche Herausforderungen erlebt und dass mit den Herausforderungen und mit den damit verbundenen Gefühlen produktiv umgegangen werden kann.

Schritte zur eigenen Hilfs-Ich-Geschichte:

1.Schritt: Schauen Sie sich die Tabelle "Mistaken-Goal" an. Hier finden Sie verschiedene Verhaltensweisen, die sich für das Verfassen einer Hilfs-Ich-Geschichte eignen.

2.Schritt: Bitte suchen Sie sich eine der 4 `Schienen` (Aufmerksamkeit, Machtkampf, Vergeltung, Rückzug) aus und beschreiben Sie schriftlich eine Situation (als echte Erinnerung oder aus Ihrer Phantasie), die zu dieser Schiene passt. Zwei Beispiele für Beschreibungen von anderen Studierenden finden Sie hier: „Beschreibungen von Mistaken-Goal-Situationen“

3.Schritt: Schauen Sie sich die „Kriterien für Hilfs-Ich-Geschichten“ an und beziehen Sie diese in die Planung Ihrer eigenen Hilfs-Ich-Geschichte ein.

4.Schritt: Verfassen Sie eine Hilfs-Ich-Geschichte für die Schülerin/ den Schüler, die/ den Sie bei der Situationsbeschreibung bei Schritt 2 vor Augen hatten. Nutzen Sie Ihre Kreativität! Beispiele für Geschichten finden Sie hier: „Zwei Beispiele für Hilfs-Ich-Geschichten“.

Literatur für den gesamten Baustein:

FOSTER, HEIDELINDE: Mut für drei. Mut, Gefühle, Konflikte: Kind und Erwachsener, Umgang mit aggressiven Verhalten in: KOENEN, MARLIES (Hrsg): Unterrichtspraxis. Reihe Hanser in der Schule 2010. Online verfügbar unter: https://www.dtv.de/_files_media/downloads/unterrichtsmodell-mut-fuer-drei-62463-129.pdf letzter Abruf: 21.07.2020

MOEYEART, BART: Mut für drei. München: dtv Verlagsgesellschaft 2010

SENDAC, MAURICE: Wo die wilden Kerle wohnen. Zürich: Diogenes Verlag 2013 5. Auflage

PHILIPP, MAIK: Schreibkompetenz. Tübingen: Francke Verlag 2015

ZIELINSKI, SASCHA: Texte schreiben in: HOCHSTADT, CHRISTINE / OLSEN, RALF (Hrsg): Handbuch. Deutschunterricht und Inklusion. Weinheim: Beltz Verlag 2019 S. 387-401

Modell des Inneren Teams: https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-innere-team


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